
Landwirtschaft & Chemie · Seefrachtlogistik
Kapazitätsprognose für die Seefracht: ein Proof of Concept
Wie verlässlich lässt sich der künftige Bedarf an Seefrachtkapazität aus Plandaten ableiten? Für das Agrar- und Chemiegeschäft eines internationalen Unternehmens prüfte PROVADIT diese Frage mit realen Daten. Der PoC lieferte eine Bewertung der Prognosequalität, neun konkrete Handlungsfelder und eine Entscheidungsvorlage für die technische Umsetzung.
Die Fallstudie entdecken- Branche
- Landwirtschaft & Chemie · Seefrachtlogistik
- Unsere Rolle
- Proof of Concept, Validierung, Gap-Analyse, Anforderungen und Architekturkonzeption
- Schwerpunkte & Technologien
- SAP Business Warehouse · Data Lakehouse · Kapazitätsplanung
- Umfang
- Proof of Concept mit realen Planungs- und Versanddaten
Kunde anonymisiert.
Die Ausgangslage
Wie belastbar ist die Kapazitätsprognose für die Ausschreibung bei Reedereien?
Nach den pandemiebedingten Störungen der globalen Lieferketten startete ein internationales Unternehmen ein Resilienzprogramm für sein Agrar- und Chemiegeschäft. Ein Schwerpunkt war die Seefrachtplanung: Jede Region ermittelte ihren Bedarf an Paletten, Lkw und Containern für das Folgejahr manuell und stützte sich dabei häufig auf vergangene Transporte. Der globale Einkauf führte diese Prognosen für die jährliche Ausschreibung bei Reedereien zusammen. Die Abstimmung war aufwendig, und Unterschiede in der regionalen Datenqualität erschwerten eine verlässliche Gesamtprognose.
Wird der Bedarf unterschätzt, können Reedereien Kapazitäten frühzeitig freigeben. Fehlende Kapazität muss dann unter Umständen deutlich teurer am Spotmarkt beschafft werden. Wird der Bedarf überschätzt, bindet sich das Unternehmen an Kapazitäten, die sie nicht nutzt. Der Einkauf benötigte deshalb eine einheitliche, nachvollziehbare Berechnungsgrundlage, die den künftigen Bedarf aus Plandaten ableitet.
Unser Beitrag
PROVADITs Beitrag
PROVADIT arbeitete mit Logistikplanung, Einkauf und IT zusammen, um ein bestehendes Transportmodell in SAP Business Warehouse zu prüfen. Grundlage waren reale Plandaten und historische Versanddaten. Die berechneten Mengen wurden mit der jüngsten Seefrachtausschreibung verglichen. So wurde sichtbar, wo der Ansatz belastbare Ergebnisse lieferte und wo er an Grenzen stiess. Auf dieser Basis erarbeitete PROVADIT die Anforderungen an die Lösung und bewertete die möglichen Architekturwege.
Mit realen Daten validieren
PROVADIT führte einen gezielten Proof of Concept mit realen Daten durch und nutzte dafür ein SAP-BW-Modell, das bereits in anderen Teilen des Unternehmens eingesetzt wurde. Der Vergleich mit Ausschreibungsmengen zeigte, wo der Ansatz belastbare Ergebnisse liefert und wo die Datengrundlage verbessert werden muss.
Lücken auf ihre Ursachen zurückführen
PROVADIT ordnete die festgestellten Lücken neun Handlungsfeldern zu und dokumentierte jeweils die Ursache sowie die erforderlichen Massnahmen. Die Probleme reichten von fehlenden Stammdaten und Routenzuordnungen bis zu Planungsmustern, die nicht den tatsächlichen Versandwegen entsprachen. Damit war nachvollziehbar, welche Korrekturen an den Quelldaten und welche Anpassungen an der Berechnungslogik nötig waren.
Prognose und Berechnungsregeln spezifizieren
Die vollständige Anforderungsspezifikation beschrieb die Datenquellen, den Aktualisierungsrhythmus, eine Zwölfmonatsprognose, den historischen Abgleich und ein Dashboard zur Stammdatenqualität. PROVADIT definierte, wie Planmengen in Paletten, Lkw sowie 20-Fuss- (TEU) und 40-Fuss-Container (FEU) umgerechnet werden sollten. Die Regeln berücksichtigten Stapelbarkeit, unterschiedliche Palettenformate und Gewichtsgrenzen. Ergänzend beschrieb die Spezifikation den Umgang mit fehlenden Transportangaben, eine Rückfalllogik auf historische Ist-Daten sowie die Unterscheidung von Ein- und Ausgangsströmen.
Architekturoptionen vergleichbar machen
PROVADIT verglich drei Möglichkeiten: die Erweiterung des bestehenden SAP-BW-Modells, einen Neuaufbau im Ziel-Lakehouse und die Übertragung des vorhandenen Modells dorthin. Entscheidend waren der jeweilige Aufwand, die Risiken und die Frage, wie Plandaten künftig bereitgestellt würden. Da diese Entscheidung vom Migrationszeitplan der Planungsplattform abhing, empfahl PROVADIT auch, eine kurze Pause bis zu dessen Klärung in Betracht zu ziehen.
Einblick in die Arbeit
Neun Handlungsfelder für eine belastbare Prognose.
Bei vollständigen Quelldaten und Zuordnungen der Transportwege lieferte die Validierung belastbare Ergebnisse. Andere Vergleiche zeigten erhebliche Abweichungen, fehlende Mengen und Probleme bei der Umrechnung. PROVADIT dokumentierte die Ursachen und die erforderlichen Korrekturen, um die Verlässlichkeit zu verbessern.
Vollständigkeit der Stammdaten
Bei einzelnen Materialien und Routen fehlten Zuordnungen zu Start- und Zielregionen, Häfen oder passende Umrechnungsfaktoren. Andere Angaben waren widersprüchlich. PROVADIT dokumentierte die betroffenen Datensätze und beschrieb, welche Korrekturen an den Quelldaten erforderlich waren.
Transportart
Im Planungssystem waren teilweise Strassentransporte hinterlegt, obwohl Seefracht vorgesehen war. Dadurch wurden die benötigten Containermengen falsch berechnet. PROVADIT spezifizierte Regeln, um solche Zuordnungen zu erkennen und fehlende Angaben zur Transportart zu ergänzen.
Standort-, Regions- und Hafenzuordnung
Für den Vergleich mit der Ausschreibung mussten die Standorte den Hafenclustern des Einkaufs zugeordnet werden. Fehlende oder falsche Verknüpfungen führten dazu, dass Mengen nicht erfasst oder dem falschen Cluster zugerechnet wurden. PROVADIT benannte diese Lücken und dokumentierte die notwendigen Korrekturen.
Länderspezifische Kapazitätsregeln
Wie viele Paletten ein Lkw oder Container aufnehmen kann, hängt auch von den jeweiligen Landesvorgaben ab. PROVADIT berücksichtigte diese Unterschiede in der Berechnungslogik und definierte eine Rückfalllogik für Fälle, in denen lokale Parameter fehlten.
Abweichende Planungs- und Versandwege
Teilweise bildeten die in der Planung hinterlegten Bestimmungsorte den tatsächlichen Versandweg nicht ab. PROVADIT spezifizierte eine Erkennungs- und Verarbeitungslogik, damit solche Warenströme in der Prognose konsistent berücksichtigt werden können.
Genauigkeit der Palettenumrechnung
Einzelne Umrechnungsfaktoren passten nicht zu den tatsächlichen Palettenabmessungen. PROVADIT konzipierte einen Validierungsbericht, der solche Abweichungen sichtbar machen und den Datenverantwortlichen die gezielte Korrektur der Stammdaten ermöglichen sollte.
Späte Produkt- und Länderzuordnungen
Wenn Produkte oder Zielländer erst spät zugeordnet wurden, erschienen die zugehörigen Logistikmengen unter Umständen erst nach Abschluss der Planungsperiode. PROVADIT dokumentierte diese zeitliche Lücke und den daraus entstehenden Handlungsbedarf für eine vollständige Prognose.
Nicht integrierte Standorte
Standorte, die noch nicht vollständig an die Planungsplattform angebunden waren, wurden in der Prognose nur unvollständig erfasst. PROVADIT ermittelte die betroffenen Standorte und die Auswirkungen auf die prognostizierten Mengen. Dadurch wurde der weitere Integrationsbedarf greifbar.
Umfang der Eingangslogistik
Auch vorgelagerte Beschaffungsströme beeinflussen den gesamten Seefrachtbedarf. Sie lagen jedoch ausserhalb des anfänglichen PoC. PROVADIT hielt ihre Einbeziehung als weiteren Prüfpunkt fest und berücksichtigte die Unterscheidung von Ein- und Ausgangsströmen in der Anforderungsspezifikation.
Drei Architekturoptionen mit klaren Voraussetzungen.
Welcher Weg sinnvoll war, hing vor allem von der künftigen Bereitstellung der Plandaten ab. PROVADIT verknüpfte die Empfehlungen deshalb mit konkreten Bedingungen. Auch eine kurze Pause bis zur Klärung des Migrationszeitplans kam infrage, um die nächste Investition auf eine verlässliche Grundlage zu stellen.
Das bestehende SAP-BW-Modell erweitern
Die Erweiterung des bestehenden Modells erforderte kurzfristig den geringsten Aufwand. PROVADIT empfahl diesen Weg für den Fall, dass die Plandaten weiterhin über die vorhandene Schnittstelle bezogen würden. So konnte die bereits im PoC geprüfte Grundlage weitergenutzt werden.
Im Ziel-Lakehouse neu aufbauen
Ein Neuaufbau entsprach der langfristigen Zielarchitektur, war aber mit höherem Aufwand und einer längeren Umsetzungsdauer verbunden. PROVADIT empfahl diese Option für den Fall, dass die Plandaten künftig direkt im Lakehouse bereitgestellt würden.
Das bestehende Modell ins Lakehouse übertragen
Auch die Übertragung des bestehenden Modells wurde bewertet, im betrachteten Szenario jedoch nicht empfohlen. Sie hätte im Verhältnis zum zusätzlichen Nutzen den höchsten Aufwand verursacht.
Arbeitsergebnisse
Konkrete Arbeitsergebnisse. Fundierte Entscheidungen.
Der PoC machte die Qualität der Prognose anhand konkreter Vergleichswerte nachvollziehbar. Er zeigte, wo der Ansatz funktionierte, wo Lücken bestanden und was vor einer weiteren Umsetzung geklärt werden musste. Zusammen mit der Anforderungsspezifikation und der Bewertung der Architekturoptionen entstand daraus eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Verantwortlichen beim Kunden.
- Ein PoC mit quantifiziertem Abgleich gegen reale Plan-, Versand- und Ausschreibungsdaten.
- Neun dokumentierte Handlungsfelder mit Ursachen und erforderlichen Massnahmen.
- Eine vollständige Anforderungsspezifikation mit Umrechnungs- und Rückfallregeln, Zwölfmonatsprognose und Datenqualitätsreporting.
- Drei bewertete Architekturoptionen mit klaren Empfehlungen, abhängig von der künftigen Datenbereitstellung und dem Migrationszeitplan.
Einordnung des Mandats
Das Mandat umfasste den Proof of Concept, die Validierung, die Gap-Analyse sowie die Anforderungen und Konzepte für Lösung und Architektur. Regelmässige Aktualisierungen, Prognoseberichte und das Datenqualitätsdashboard sind Bestandteile der spezifizierten Ziellösung. Die Eingangslogistik lag ausserhalb des anfänglichen PoC-Umfangs und sollte gesondert geprüft werden. Das Mandat lieferte damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage und ein Konzept für die weitere Umsetzung.
Was dieses Beispiel zeigt
Ein guter PoC macht deutlich, ob sich eine Investition lohnt und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. In diesem Fall liess sich eine bestehende Lösung weiterverwenden, ihre Eignung musste jedoch anhand realer Daten geprüft werden. Die dokumentierten Lücken, Berechnungsregeln und Architekturoptionen gaben dem Kundenteam eine nachvollziehbare Grundlage für die nächsten Schritte und die spätere eigenständige Weiterentwicklung.
Passende Leistungen
Alle Projektbeispiele ansehenWas möchten Sie klären?
Besprechen Sie Ihre fachliche Frage, die vorhandenen Systeme und die anstehende Entscheidung mit unserem Team.
Ihr Projekt besprechen